Karriere & Geld

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Verstehe den Unterschied zwischen Preis und Wert

Wenn du ein Produkt oder einen Service anbieten willst, musst du den Unterschied zwischen Preis und Wert verstehen.

Es klingt einfach und banal. Leider verstehen aber zu viele Leute den Unterschied nicht.

Ich befinde mich momentan in Japan. Den Auftakt meiner Reise machte ich ganz im Norden mit einem Roadtrip auf der Insel Hakkaido (siehe auch Regel 276. Mache einen Road-Trip)

Die Woche fiel prompt in die Goldenweek. Eine Zeit, in welcher sich einige Feiertage in Japan anhäufen und Hotels darum besonders teuer (bis überteuert) sind.

Einer meiner ersten Stopps legte ich in einem Hotel in den Bergen ein. Die Kosten für eine Nacht beliefen sich auf rund 350 CHFr.

Ein stolzer Betrag für eine Hotelnacht. Daher hatte ich doch zu Recht auch gewisse Erwartungen.

Diese wurden leider enttäuscht.

Bereits beim Betreten der Lobby wusste ich: Dieses Hotel werde ich nicht mögen.

Viel zu gross. Viel zu touristisch. Das Zimmer ebenfalls eine herbe Enttäuschung: Klein, das Mobiliar aus den 70ern. Das Ganze wirkte eher schmuddelig wie einladend.

Das inbegriffene Abendessen hätte wunderbar in jedes All-inklusive Resort auf Mallorca gepasst.

Nach ein paar Häppchen verliessen wir angewidert den Speisesaal und waren froh, dass wir am nächsten Tag bereits wieder abreisen konnten.

Zwei Tage später waren wir in der Nähe des ländlichen Lake Akkan und verständlicherweise war die Auswahl an Hotels auch hier spärlich gesät.

Ich entschied mich für Kamui no Yu La Vista Akangawa.

Wieder legte ich rund 350 CHFr. für eine Hotelnacht in einem japanischen Hotel hin. Nach dem letzten Erlebnis senkte ich meine Erwartungen bewusst.

Dies war aber unnötig. Das Hotel war ein wahres Erlebnis.

Auch hier beginnt es schon beim Check-In. Anstatt am Schalter abgefertigt zu werden, konnte man bequem in der Lobby platz nehmen und wurde so gemütlich eingecheckt.

Das Zimmer war modern mit ausreichend Platz und direktem Blick auf einen strömenden Fluss. So stellt man sich Erholung vor.

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Auch auf die Details wurde Wert gelegt. Ein klassisches Set um Kaffee zuzubereiten mit einer händischen Mahlmaschine für frische Kaffeebohnen.

Zudem gab es auch ein japanisches Teeset für die Zubereitung von frischem Grünteee (siehe auch Regel 139. Geniesse Grüntee), was mich natürlich besonders gefreut hatte.

Nicht zu vergessen, der Raum war mit einer „Badewanne“ (Onsen) ausgestattet, welche mit frischem und natürlichem Quellwasser gefüllt werden konnte.

Ich könnte so viele positive Punkte für dieses Hotel aufzählen, dass es euch wohl langweilig werden würde.

Aber warum berichte ich euch all dies?

Ganz einfach, es zeigt deutlich, dass bezahlter Preis und wahrgenommener Wert ganz unterschiedlich sein können.

Für beide Hotels hatte ich in etwa gleich viel bezahlt.

350 CHFr., ist ein stolzer Betrag für eine Hotelnacht. Ein Betrag, welcher ich bereit bin ein, zweimal im Jahr für ein gutes Hotel auszugeben.

In einem Fall auf diesem Roadtrip wurden meine Erwartungen übertroffen. In einem Fall wurden meine Erwartungen herb enttäuscht.

In einem Fall erhielt ich für die 350 CHFr. einen Wert zurück, welcher meine Erwartungen übertraf.

In einem Fall erhielt ich für die 350 CHFr. so wenig Wert zurück, dass ich das Hotel genervter verliess, wie ich ankam.

Bezahlter Preis und wahrgenommener Wert können wie dieses Beispiel zeigt ganz unterschiedlich sein.

Natürlich, gibt es hier noch unzählige andere Beispiele.

Denke an die Mannbibel. Wieviel kostet das monatliche Abo für die Mannbibel Leserschaft?

Genau – keinen Rappen oder Cent.

Bedeutet dies, dass ihr aber keinerlei Wert aus der Mannbibel zieht?

Wohl kaum, ansonsten würdet ihr diesen Artikel nicht lesen. Die Mannbibel hat für euch einen Wert, obwohl sie keinerlei Preis für euch hat.

Der wahrgenommene Wert ist sehr subjektiv. Jeder nimmt ihn anders war.

Ein Produkt kann für eine Person einen hohen Wert aufweisen. Für eine andere Person kann ein Produkt einen Wert von 0.- aufweisen, obwohl der Preis der selbige ist.

Als Verkäufer sollte dir dies bewusst sein. Du verkaufst nicht einfach ein Produkt oder Service, du verkaufst einen subjektiven Wert – für welchen verschiedene Käufer bereit sind einen unterschiedlichen Preis zu bezahlen.

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Wer versteht dies am besten? Die Fluggesellschaften.

Ihre Dienstleistung ist der Transport von A nach B. Der selbige Flug wird innerhalb eines Tages einige Male ausgeführt und X mal pro Woche (Zürich – Frankfurt als klassisches Beispiel).

Obwohl die Distanz immer die selbige ist und für die Fluggesellschaft die mehr oder weniger gleichen Kosten für jeden Flug anfallen, sind die Preise für jeden Flug unterschiedlich.

Warum?

Weil die Airlines versuchen den maximalen Wert zu extrahieren, welcher ein Kunde bereit ist zu bezahlen.

Aus ihren unzähligen Analysen wissen sie, dass sie einen Flug am Montagmorgen deutlich teurer verkaufen können wie einen Flug nach Frankfurt am Samstagvormittag.

Grund: Der Geschäftsreisende und die Firma dahinter sind bereit einen deutlich höheren Betrag für den Flug zu bezahlen, weil der Wert, welchen sie damit erhalten immer noch höher ist, wie bei einem Flug am Samstagnachmittag.

Hingegen wird der Tourist, für welchen es keine Rolle spielt ob er ein paar Stunden früher oder später ankommt, keinen super teuren Flug buchen. Er zieht den billigeren Flug vor, weil der Wert, welchen er dank einem früheren Flug erhalten würde, zu klein ist um einen höheren Preis zu rechtfertigen.

So verkauft die Fluggesellschaft nicht einfach einen Flug von A nach B. Sie verkauft die Möglichkeit für den Geschäftsreisenden einen Deal pünktlich abzuschliessen.

Sie verkauft für den Touristen die Möglichkeit ein paar Ferienfotos zu schiessen, welcher er dann auf Facebook publizieren kann.

Die letzten Worte

Wenn du ein Produkt oder Service hast: Frage dich danach, was der wirkliche Wert für einen Kunden ist.

Don Drapper tat dies in seinem berühmtem Karusell Pitch für Kodak in Mad Men.

Es geht darum um einen Diaprojektor.

Anstatt die langweiligen, technischen Eigenschaften aufzuzählen, erkennt er, dass es sich hierbei nicht nur um eine Maschine handelt um Dias an die Wand zu projektieren.

Es handelt sich um eine Zeitmaschine, welche den Betrachter in eine vergesse Zeit zurücknehmen kann.

Der Diaprojektor kann ein Gefühl von Nostalgie auslösen.

Ein Gefühl, welches wahrscheinlich in der heutigen Welt immer mehr an Bedeutung gewinnt. Wenn wir an unsere schnelllebige und turbulente Gesellschaft denken.

Wobei uns die schlimmsten Zeiten wohl noch bevor stehen dank Frau Merkel (siehe auch Regel 26. Sei stolz auf dein Land)

Erkenne den wirklichen Wert deines Produktes oder der Dienstleistung, welcher über den Preis hinausgeht und vermarkte es danach.

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3 comments

  1. MrThief - Mai 23, 2016 12:38 pm

    Danke für deinen Beitrag.

    Du scheinst viel Unterwegs bist und kommst aus der Schweiz. Möchte erwähnen das ihr es sehr leicht habt mit euren Gehälter sobald ihr im Ausland seit könnt ihr im Vergleich zum Inland Spot billig leben. Dann ist es halt „einfacher“ der Welt zu diktieren das man viel Reisen soll.

    Antworten
    • Ray - Mai 24, 2016 3:38 am

      Danke für deinen Beitrag.

      Damit hast du sicherlich recht.

      Der starke Franken macht es im Ausland sicher leichter, gerade in Ländern wie Thailand oder Kolumbien.

      Die Frage ist aber immer, was macht man draus?

      Antworten
      • MrThief - Mai 24, 2016 9:40 am

        Hey da antwortet sogar wer 🙂 nicht schlecht.

        Wollte nicht “ schlecht reden “ … auch Deutsche oder Österreich ( ich ) können sich Leisten ins Ausland zu fahren. Ausreden “ Limited Beliefs “ darf das keiner sein. Aber wenn ich mir vorstelle das ich mit meiner Ausbildung um die 10 000 Franken verdienen könnte ( und das nicht mal viel ist ) … dann wäre das Reißen nach Thailand natürlich sehr nett. Lebensunterhalt hin und her.

        Etwas konstruktives zu deinem Beitrag.

        Preis und Wert … ein eigens interessantes Beispiel von mir.

        Bestelle ich in einem Lokal eine Wodka Flasche zahle ich .. 100 Euro / Franken.

        Kaufe ich aber die gleiche Flasche im örtlichen Supermarkt zahle ich wenn überhaupt 15 Euro / Franken und dürfte diese dann bis vor das Lokal tragen … aber natürlich nicht mit reinnehmen außer man schmungelt und stellt sie sich dann auf den Tisch was viele Frauen dank ihrere Handtasche gerne tun.

        Ich trinke generell keinen Alkohol aber das ist einer der Mitgründe warum ich mein Geld nicht in Lokalitäten raushaue ..

        Der “ Wert “ ist gemessen an dem was die Flüssigkeit draußen kostet nicht geben.

        Bei Gerichten könnte man noch davon sprechen das diese Zubereitet werden müssen. Sehe ich ein .. aber Getränke sind “ servier fertig “ und vor allem viele aus der niedrig verdienenden Schicht leisten sich jedes Wochenende “ teure “ !!! nicht preiswerte !!! Vollräusche.

        “ Tja an den dummen “ kann man gut verdienen. Ich würde gleich wie der Artikel sich selber Gedanken zu machen was für einen wirklich “ Wert “ hat .. und für das auch sein Geld dann zu investieren und noch ein Tipp. Zu 95 % sind das nicht die Artikeln die man in der Werbung sieht. Die machen wenn nur kurzzeitig “ Glücklicher „. Ich schreibe zuviel. Schönen Tag wo immer du auch auf der Welt gerade bist 🙂

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